Die Website überlebt den Fonds
- Von
- Nils Enders-Brenner
- Erschienen
- Lesezeit
- 5 Minuten
Du kaufst eine Firma, und ein paar Monate später geht die Person, die sich um die Website gekümmert hat. Danach gibt es oft eine Flaute. Keiner macht mehr etwas. Die Website wird vernachlässigt und auf der Prioritätenliste nach hinten geschoben, weil alle mit der Umstrukturierung beschäftigt sind. Und wenn der Moment kommt, will es keiner machen. Die Inhalte sind dann so veraltet, dass sich alle erst wieder einarbeiten müssten.
So liegen Websites oft zwei bis drei Jahre veraltet herum und müssen dann komplett neu gestartet werden.
Investoren halten eine Firma heute im Schnitt rund sieben Jahre (Bain, 2026). 65 Prozent von ihnen tauschen in dieser Zeit den Geschäftsführer aus (AlixPartners, 2026).
Der Investor verkauft
Den Auftrag habe ich über einen Investor erhalten. Er war mit der Neugestaltung seiner eigenen Website sehr zufrieden. Deshalb wollte er, dass ich auch die Website eines seiner Portfoliounternehmen übernehme, eines Maschinenbauers.
Er hatte die Firma schon einige Jahre. Die neue Website sollte die Qualitäten des Produkts widerspiegeln: schnell, zuverlässig und erkennbar als Marke.
Knapp ein Jahr nach dem Start der neuen Seite hat er die Firma verkauft. An der Website hat sich beim Eigentümerwechsel kaum etwas geändert. Ich musste nur die Teammitglieder aktualisieren und Adresse und Telefonnummer austauschen.
Ich habe weitergemacht. Später wurde der Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Sie waren mit meiner Arbeit zufrieden: unaufdringlich und unauffällig.
Das Minenfeld
Bei den Updates habe ich oft nur das Nötigste angefasst, weil ich Angst hatte, etwas kaputtzumachen, besonders wenn ein Update mitten im Prozess abbricht.
Dazu kamen Ausfälle, vor allem wenn ein Newsletter verschickt wurde. Dann war die Seite bis zu einer halben Stunde offline, genau dann, wenn Kunden auf die Links klickten.
Das Hauptproblem war der schwache Server. Er stand bei einem sehr bekannten deutschen Hoster. Als ich den Ausfall meldete, antwortete der Support: „Ihre Webseite funktioniert aktuell einwandfrei.“
Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter kam für die Firma nicht infrage, weil dort schon viel eingerichtet war. Mit den Ausfällen musste ich deshalb selbst zurechtkommen.
Alles hing an einer Person
Als die Marketingleiterin ging, habe ich weniger Aufgaben bekommen. Neue Beiträge und mehr SEO standen danach nicht mehr auf dem Plan, weil die Seite gut lief. Wenn man aber lange nichts macht, sieht man die Probleme ein paar Monate oder Jahre später.
Damit lag das ganze Wissen über die Website bei einem externen Dienstleister, also bei mir. Für eine Firma ist das ein Risiko, egal wer der Dienstleister ist. Ein Nachfolger hätte sich erst in ein langsames WordPress einarbeiten müssen.
Der Tausch
Erst mit neuer Technik konnte ich das Backend problemlos und sauber austauschen, ohne den Anbieter wechseln zu müssen. Ohne sie wäre ich am Anbieterwechsel hängen geblieben.
Ich schrieb meinem Ansprechpartner, was ich vorhabe, und bekam diese Antwort:

Im September 2026 habe ich das ganze Backend ausgetauscht. Am Äußeren habe ich nur kleinere Anpassungen vorgenommen. Bis der Server auf der Startseite antwortete, vergingen vorher 1,6 Sekunden, danach waren es 0,06. Die Startseite lädt außerdem nur noch 19 statt 78 Dateien.
Ich bin nicht mehr mit kleineren lästigen Problemen beschäftigt. Ich kann mich auf die eigentliche Aufgabe der Website konzentrieren: der Firma mehr Umsatz bringen und bessere Suchergebnisse liefern.
Alles, was ich gebaut habe, gehört der Firma. Ein anderer Entwickler kann die Seite übernehmen. Die Übergabe ist einfacher als gedacht, weil das Backend an keinen Drittanbieter gebunden ist und sich niemand in WordPress einarbeiten muss. Das neue Backend hat eine klare Struktur, die man leicht nachvollziehen kann. Es ist auch nicht aus einem Template gebaut, in dem oft unschlüssige Verlinkungen stecken oder Leichen herumliegen, die nichts mit der Website zu tun haben.
Man kann die Seite heute genau an die Firma anpassen. Manche Firmen überlassen mir die Verwaltung ganz. Andere ändern bestimmte Seiten oder Blogbeiträge regelmäßig selbst, in einer eigenen Verwaltung.
Auch wenn die Website den Fonds überlebt, heißt das nicht, dass sie von allein fünf bis zehn Jahre läuft. Wichtiger ist, dass man sie schnell an neue Technik anpassen kann, ohne immer wieder von null starten zu müssen. Man gibt nur ein besseres Backend dazu oder frischere Inhalte.
Wenn du kaufst
Wenn du eine Firma kaufst und ihre Strukturen und Prozesse ändern willst, folgst du am besten dem 100-Tage-Plan der Berater. Schon 2013 arbeiteten laut einer Umfrage von Grant Thornton und PitchBook 90 Prozent der Investoren nach dem Kauf mit so einem Plan.
Die Website ist nicht nur die Fassade der Fabrik. Auch das Interieur muss für den neuen Besitzer stimmen, damit er effizient und effektiv arbeiten kann. Eventuell müssen neue Integrationen von anderen Plattformen eingebaut, neue Rollen angelegt, die Metriken neu definiert oder sogar die Zielgruppe angepasst werden. Vielleicht soll die Website auch den Aufwand für Anfragen reduzieren oder die richtigen Leute anziehen und nicht jeden.
Bei meinem Kunden hat das alte Kontaktformular jede Anfrage nach 14 Tagen gelöscht. Das hatte ich so eingestellt, damit bei einem Hackerangriff keine Kundendaten auf dem Server liegen. Nur wusste dadurch niemand, wie viele Anfragen die Website im Jahr bringt. Bei der neuen Seite gehen die Anfragen nur noch per Mail raus. Auf dem Server speichere ich nur noch, zum Beispiel aus welchem Land die Anfrage kam und für welches Produkt, also keine Namen mehr.
Sonst hat sich bei ihm nichts verändert. Die Prozesse sind die gleichen geblieben, weil die Firma eigenständig geblieben ist. Einen Neubau brauchte die Website dort deshalb nicht.
Wenn du verkaufst
Beim Verkauf sollte man Jahre vorausplanen. Ein guter Investor denkt immer in mehreren Jahren. Am besten verkauft man nicht die uralte Website mit, weil das den Wert mindert. Stattdessen behält man den größten Teil der Website. Man bringt nur die Inhalte auf den neuesten Stand und die Technik wieder auf Vordermann. So kommt der neue Investor mit einem guten Gefühl in die Firma.
Es ist ziemlich genau wie auf dem Immobilienmarkt. Man wertet das Haus vor dem Verkauf mit einer passenden Einrichtung auf, und die neuen Besitzer passen es wieder an.
Schau dir die Website deiner Firma an: Ist sie noch aktuell, wenn du die Firma in ein paar Jahren verkaufen willst? Und frag deinen Geschäftsführer, wer außer dem Dienstleister weiß, wie sie funktioniert.
Schick diesen Text an alle, die in deinen Beteiligungen für die Website verantwortlich sind.